Karlsbrücke Legenden: Die schönsten Sagen und Geschichten
Die Karlsbrücke ist mehr als eine alte Brücke über die Moldau. Kaum ein anderer Ort in Prag ist so eng mit Legenden, Sagen und geheimnisvollen Geschichten verbunden. Da ist die Geschichte von Karl IV. und der besonderen Zahlenfolge bei der Grundsteinlegung. Da sind Eier, Wein und sogar Quark, die angeblich im Mörtel der Brücke gelandet sind. Und natürlich Johannes von Nepomuk, dessen Geschichte bis heute mit den fünf Sternen, seinem Sturz in die Moldau und einem besonderen Wunschbrauch verbunden wird.
Dann gibt es noch den Ritter Bruncvík mit seinem Wunderschwert, das der Legende nach irgendwo in der Karlsbrücke verborgen liegt und eines Tages wieder zum Vorschein kommen soll. Was davon ist tatsächlich passiert? Was gehört ins Reich der Legenden? Und welche Geschichten kannst du bei deinem Spaziergang über die Karlsbrücke selbst entdecken?
Hier findest du die schönsten Legenden der Karlsbrücke – mit einer klaren Trennung zwischen historischen Fakten und späteren Überlieferungen.
Die Legende von 1357 um 5:31 Uhr
Eine der bekanntesten Geschichten rund um die Karlsbrücke beginnt bereits bei ihrer Grundsteinlegung. Karl IV. soll den Grundstein am 9. Juli 1357 um 5:31 Uhr morgens gelegt haben. Der Zeitpunkt soll nicht zufällig gewählt worden sein. Dahinter steckt eine außergewöhnliche Zahlenfolge:
1 – 3 – 5 – 7 – 9 – 7 – 5 – 3 – 1
Sie ergibt sich aus:
1357 – 9 – 7 – 5:31
Also aus dem Jahr 1357, dem neunten Tag, dem siebten Monat und der Uhrzeit 5:31.
Die Zahlen steigen zunächst bis zur 9 an und fallen anschließend wieder ab. Dass der Bau der neuen Brücke 1357 begann, ist historisch belegt. Ob Karl IV. die Uhrzeit tatsächlich genau wegen dieser Zahlenmystik auswählte, gehört dagegen zur Überlieferung. Trotzdem ist die Geschichte ein schönes Detail für deinen Spaziergang: Wenn du über die Karlsbrücke gehst, kannst du dir einmal die Zahlen 1357 – 9 – 7 – 5:31 merken.
Die Karlsbrücke aus Eiern, Wein und Quark
Noch kurioser ist die berühmte Geschichte vom Eiermörtel der Karlsbrücke. Der Legende nach wollte Karl IV. seine neue Brücke besonders stabil bauen lassen. Deshalb sollen dem Mörtel Wein und rohe Eier beigemischt worden sein. Das Problem: In Prag gab es angeblich nicht genügend Eier.
Also wurden Eier aus verschiedenen Teilen Böhmens nach Prag gebracht. Die Bauern transportierten sie zur Baustelle, damit sie für den Bau der Brücke verwendet werden konnten. Dann wurde aus der Geschichte eine echte Prager Kuriosität.
Die Einwohner von Velvary sollen den königlichen Auftrag falsch verstanden haben. Aus Angst, die Eier könnten auf dem Transport zerbrechen, schickten sie sie kurzerhand hartgekocht nach Prag. Auch aus Unhošť soll eine ungewöhnliche Lieferung gekommen sein. Dort wurden neben Eiern zusätzlich Milch, Quark und Käse geschickt. So entstand die Geschichte von einer Karlsbrücke, in deren Mörtel Eier, Wein, Quark und Käse verarbeitet wurden.
Wurden wirklich Eier in den Mörtel gemischt?
Die Eiergeschichte gehört zur Prager Sagenwelt. Ein archäologischer Nachweis, dass die Karlsbrücke tatsächlich in dem in der Geschichte beschriebenen Umfang mit Eiern gebaut wurde, ist nicht gegeben. Die Geschichte ist trotzdem bis heute eine der bekanntesten Karlsbrücken-Legenden.
Johannes von Nepomuk und die fünf Sterne
Keine andere Geschichte ist so eng mit der Karlsbrücke verbunden wie die von Johannes von Nepomuk. Johannes von Nepomuk geriet im Jahr 1393 in einen Konflikt mit König Wenzel IV. und wurde schließlich getötet. Nach der späteren Legende soll der König von ihm verlangt haben, das Beichtgeheimnis der Königin zu verraten. Johannes habe sich geweigert und deshalb sein Leben verloren. Der Legende nach wurde Johannes von Nepomuk am 20. März 1393 von der Brücke in die Moldau geworfen.
Besonders bekannt sind die fünf Sterne über seinem Kopf. Nach der Überlieferung sollen fünf Lichter über dem Wasser erschienen sein, nachdem Johannes in die Moldau gestürzt worden war. Deshalb wird der Heilige bis heute mit fünf Sternen dargestellt.
Aus dieser Geschichte entwickelte sich eine der bekanntesten Traditionen der Karlsbrücke: das Berühren des Reliefs und des kleinen Kreuzes mit den fünf Sternen.
Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, findest du hier die ausführliche Unterseite:
→ Karlsbrücke Glücksbringer: Hier geht dein Wunsch in Erfüllung
Die Legende vom goldenen Schwert des Bruncvík
Auf einem Brückenpfeiler Richtung Kampa steht die Figur des Ritters Bruncvík. Er trägt ein Schwert, neben ihm steht ein Löwe. Bruncvík ist der Held einer alten böhmischen Sage. Der Geschichte nach zog der Ritter in die Welt hinaus, um seinem Wappen ein edleres Zeichen zu verschaffen. Auf seiner Reise begegnete er einem Löwen, der mit einem Drachen kämpfte. Bruncvík griff ein und rettete den Löwen.
Seit diesem Abenteuer blieb der Löwe an seiner Seite. Später erhielt Bruncvík ein Wunderschwert mit magischen Kräften. Das Schwert soll eine besondere Fähigkeit besitzen: Auf Bruncvíks Befehl konnten die Köpfe seiner Feinde wie von selbst zu Boden fallen. Doch die Geschichte endet nicht mit seiner Rückkehr nach Prag.
Das Wunderschwert soll in der Karlsbrücke verborgen sein
Nach der Legende soll Bruncvík sein magisches Schwert nach seiner Rückkehr in einem Pfeiler der Karlsbrücke versteckt haben. Und irgendwann soll es wieder zum Vorschein kommen. Wenn Böhmen eines Tages in größter Gefahr ist, sollen die schlafenden Ritter im Berg Blaník erwachen. An ihrer Spitze soll der heilige Wenzel auf einem weißen Pferd reiten.
Wenn Wenzel mit seinem Heer über die Karlsbrücke zieht, soll sein Pferd an einer bestimmten Stelle stolpern. Genau dann soll das verborgene Schwert erscheinen und in die Hand des heiligen Wenzel gelangen. Mit diesem Schwert soll das Heer des Blaník die Feinde besiegen und wieder Frieden bringen. Eine ziemlich große Aufgabe für ein Schwert, das irgendwo in einem Brückenpfeiler liegen soll. Natürlich handelt es sich dabei um eine böhmische Sage, nicht um eine historische Tatsache.
Wurde das Schwert tatsächlich gefunden?
Zu dieser Legende gibt es noch eine besonders schöne Geschichte. Nach einer Überlieferung soll bei Reparaturarbeiten an der Karlsbrücke nach dem Hochwasser von 1890 tatsächlich ein großes verrostetes Schwert gefunden worden sein. Ob dieses Schwert tatsächlich etwas mit Bruncvík zu tun hatte? Dafür gibt es natürlich keinen historischen Beleg.
Bruncvík – die 31. Statue der Karlsbrücke?
Auf der Balustrade stehen 30 Skulpturen und Skulpturengruppen. Bruncvík steht dagegen außerhalb dieser Reihe auf einem Brückenpfeiler Richtung Kampa. Deshalb wird er häufig als die „31. Statue der Karlsbrücke“ bezeichnet.
Wenn du dich für die Figuren auf der Brücke interessierst, findest du hier die komplette Übersicht:
→ Karlsbrücke Statuen: Die 30 Figuren und ihre Geschichten
Wenn die Statuen nachts zum Leben erwachen
In den Prager Geschichten wird immer wieder erzählt, dass die Statuen der Karlsbrücke nachts zum Leben erwachen. Die steinernen Figuren verlassen dabei ihre Sockel und helfen Menschen in schwierigen Situationen. Eine einzelne, eindeutig abgegrenzte historische Sage steckt dahinter allerdings nicht. Es handelt sich vielmehr um eine mystische Vorstellung aus der Prager Erzähltradition.
Tagsüber ist davon wenig zu spüren. Dann ist die Karlsbrücke voller Besucher, Straßenmusiker und Fotografen. Wenn es dagegen spät am Abend ruhiger wird und nur noch wenige Menschen unterwegs sind, kann man sich durchaus vorstellen, dass die steinernen Heiligen irgendwann ihre Plätze verlassen. Historisch belegt ist das natürlich nicht.
Die geheimnisvolle Vorgängerin: die Judithbrücke
Bevor die heutige Karlsbrücke gebaut wurde, stand an dieser Stelle die Judithbrücke. Sie wurde 1342 durch ein schweres Hochwasser zerstört. Teile der alten Brücke sind in Prag bis heute erhalten.
Auch der sogenannte Bradáč, der „Bärtige“, gehört zu dieser Geschichte. Die mittelalterliche Figur soll ursprünglich zur Judithbrücke gehört haben und diente später als historischer Wasserstandsmarker.
Bradáč ist übrigens keine der 30 Statuen der Karlsbrücke. Er gehört zu einer älteren Geschichte des Ortes. Wenn du ihn suchst, findest du ihn an der Ufermauer zwischen der Karlsbrücke und dem Kreuzherrenkloster.
Welche Karlsbrücke-Legenden kannst du selbst entdecken?
Das Schöne an diesen Geschichten ist, dass du viele davon direkt bei deinem Spaziergang über die Brücke nachvollziehen kannst.
- Du kannst die fünf Sterne von Johannes von Nepomuk suchen, das glänzende Relief am Sockel betrachten und anschließend das kleine Kreuz mit den fünf Sternen an der Brüstung finden.
- Du kannst nach Bruncvík und seinem Löwen Ausschau halten und dir vorstellen, dass irgendwo in der Brücke noch immer sein Wunderschwert verborgen liegt.
- Und du kannst dich bei der nächsten Unterhaltung über die Karlsbrücke daran erinnern, dass angeblich sogar Eier und Quark zu ihrer Entstehung beigetragen haben sollen.
Genau das macht für mich den Reiz der Karlsbrücke aus. Man läuft nicht einfach nur über eine mittelalterliche Brücke, sondern bewegt sich durch eine Mischung aus Geschichte, Religion, Legenden und Prager Erzähltradition.
