Karlsbrücke Statuen

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Karlsbrücke Statuen: Die 30 Figuren und ihre Geschichten

Wenn du über die Karlsbrücke in Prag gehst, fallen dir wahrscheinlich zuerst die Moldau, die beiden Brückentürme und die vielen Menschen auf. Beim genaueren Hinsehen entdeckst du aber das eigentliche Besondere der Brücke: 30 Statuen und Statuengruppen stehen auf der Balustrade und begleiten dich auf deinem Weg von der Altstadt zur Kleinseite.

Die meisten dieser Figuren entstanden zwischen 1706 und 1714. Sie zeigen Heilige, religiöse Szenen und wichtige Persönlichkeiten. Viele wurden von bedeutenden Bildhauern des böhmischen Barock geschaffen, darunter Matyáš Bernard Braun und Ferdinand Maximilian Brokoff.

Ganz so einfach ist die Sache mit den 30 Statuen allerdings nicht. Denn streng genommen sprechen manche Quellen von 31 Figuren. Der Grund dafür ist Bruncvík, ein Ritter mit goldenem Schwert, der etwas abseits der eigentlichen Statuenreihe auf einem Brückenpfeiler an der Kampa-Seite steht. Dazu später mehr.

Ich finde gerade diese kleinen Geschichten spannend. Denn wenn du einfach nur über die Karlsbrücke läufst, siehst du zwar viele Figuren – weißt aber meistens nicht, wer sie darstellen und warum sie überhaupt hier stehen. Genau das möchte ich dir auf dieser Seite zeigen.

Wie viele Statuen stehen auf der Karlsbrücke?

Auf der eigentlichen Balustrade der Karlsbrücke stehen 30 Statuen und Statuengruppen. Die meisten stammen aus der Barockzeit und wurden im frühen 18. Jahrhundert aufgestellt. Die älteste heute noch in ihrer ursprünglichen Form an ihrem Platz stehende Statue ist Johannes von Nepomuk aus dem Jahr 1683. Die jüngste der 30 Statuengruppen ist Kyrill und Methodius, die 1928 aufgestellt wurde.

Allerdings gibt es noch Bruncvík. Er steht nicht in der eigentlichen Reihe der 30 Figuren, sondern auf einem Pfeiler außerhalb der Balustrade. Deshalb wird er häufig als „31. Statue der Karlsbrücke“ bezeichnet.

Wenn du von der Altstädter Seite in Richtung Kleinseite gehst, findest du die Figuren auf beiden Seiten der Brücke. Hier die komplette Übersicht aller Karlsbrücke Statuen inclusive der wichtigsten Daten und Fakten:

SeiteStatue / StatuengruppeKünstlerJahr
linksHeiliger IvoMatyáš Bernard Braun1711
linksHeilige Barbara, Margareta und ElisabethJan Brokoff / Ferdinand Maximilian Brokoff1707
linksPietàEmanuel Max1859
linksHeiliger Josef mit JesuskindJosef Max1854
linksHeiliger Franz XaverFerdinand Maximilian Brokoff1711
linksHeiliger ChristophorusEmanuel Max1857
linksHeiliger Franz BorgiaFerdinand Maximilian Brokoff1710
linksHeilige Ludmilla mit dem jungen WenzelMatyáš Bernard Braunnach 1720
linksHeiliger Franz von SeraphimEmanuel Max1855
linksHeiliger Vinzenz Ferrer und Heiliger ProkopFerdinand Maximilian Brokoff1712
linksHeiliger Nikolaus von TolentinoJeroným Kohl1708
linksTraum der Heiligen LuitgardMatyáš Bernard Braun1710
linksHeiliger AdalbertMichal Jan Josef Brokoff1709
linksJohannes von Matha, Felix von Valois und IvanFerdinand Maximilian Brokoff1714
linksHeiliger WenzelJosef Kamil Böhm1859
rechtsMadonna und Heiliger BernhardMatěj Václav Jäckel1709
rechtsMadonna, Heiliger Dominikus und Thomas von AquinMatěj Václav Jäckel1708
rechtsKalvarienberg / Heiliges Kreuzmehrere Künstler17./19. Jh.
rechtsHeilige AnnaMatěj Václav Jäckel1707
rechtsKyrill und MethodiusKarel Dvořák1928–1938
rechtsHeiliger Johannes der TäuferJosef Max1855
rechtsHeiliger Norbert, Wenzel und SigismundJosef Max1853
rechtsHeiliger Johannes von NepomukJan Brokoff1683
rechtsHeiliger Antonius von PaduaJan Oldřich Mayer1707
rechtsHeiliger Judas ThaddäusJan Oldřich Mayer1708
rechtsHeiliger AugustinusJeroným Kohl1708
rechtsHeiliger KajetanFerdinand Maximilian Brokoff1709
rechtsHeiliger Philipp BenitiusMichal Bernard Mandel1714
rechtsHeiliger VeitFerdinand Maximilian Brokoff1714
rechtsHeiliger Kosmas und Damian mit ChristusJan Oldřich Mayer1709

Warum stehen überhaupt so viele Statuen auf der Karlsbrücke?

Die Karlsbrücke war ursprünglich gar nicht als großes „Freiluftmuseum“ gedacht. Die ersten Figuren kamen im Laufe der Zeit auf die Brücke, bevor vor allem im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert zahlreiche weitere Skulpturen hinzukamen.

Von 1683 bis 1928 wurde die Ausstattung mit insgesamt 30 Statuen und Statuengruppen erweitert. Die Auftraggeber kamen aus unterschiedlichen Bereichen: Adlige, kirchliche Einrichtungen, die Stadt Prag und auch Universitäten ließen die Figuren anfertigen.

Die meisten Skulpturen entstanden aus Sandstein. Zwei bekannte Ausnahmen sind besonders interessant: Johannes von Nepomuk und das Heilige Kreuz bestehen aus Bronze. Der Heilige Philipp Benitius ist dagegen die einzige Marmorskulptur auf der Karlsbrücke.

So entstand im Laufe der Zeit eine ungewöhnliche Mischung: Auf der einen Seite die mittelalterliche Steinbrücke, auf der anderen die bewegten Figuren des Barock. Genau dieser Gegensatz macht für mich einen großen Teil des Reizes der Karlsbrücke aus.

Die bekanntesten Statuen der Karlsbrücke

Natürlich sind nicht alle 30 Figuren gleich interessant. Einige fallen besonders auf – entweder wegen ihrer Geschichte, ihrer Gestaltung oder wegen kleiner Details, die man beim Vorübergehen leicht übersieht.

Johannes von Nepomuk – der berühmte Glücksbringer

Wenn du nur eine Statue auf der Karlsbrücke genauer anschauen möchtest, würde ich bei Johannes von Nepomuk anfangen. Die Bronzestatue stammt aus dem Jahr 1683 und ist die älteste noch an ihrem Platz stehende Statue der Karlsbrücke in ihrer ursprünglichen Form. Geschaffen wurde sie nach einem Entwurf von Matthias Rauchmüller und von Jan Brokoff als Holzmodell vorbereitet. Gegossen wurde sie in Nürnberg.

Besonders auffällig sind die fünf Sterne rund um seinen Kopf. Sie gehören zu seinen typischen Attributen. An der Statue findest du außerdem das Kruzifix und die Märtyrerpalme.

Und dann gibt es noch den bekannten Glücksbrauch: Viele Besucher berühren die Reliefs an der Statue. Das soll Glück bringen. Auch das kleine Kreuz an der Stelle, an der Nepomuk der Überlieferung nach in die Moldau gestürzt wurde, spielt in der Tradition eine Rolle.

Wenn du die Geschichte hinter diesem Brauch genauer wissen möchtest, lohnt sich die eigene Unterseite besonders.
→ Karlsbrücke Glücksbringer: Was hat es mit Johannes von Nepomuk auf sich?

Der Traum der Heiligen Luitgard

Eine meiner spannendsten Figuren auf der Karlsbrücke ist der Traum der Heiligen Luitgard. Die Sandsteingruppe wurde 1710 von Matyáš Bernard Braun geschaffen. Es war eines seiner ersten bekannten Werke und gilt als eines der künstlerisch bedeutendsten Werke auf der Karlsbrücke. Dargestellt ist eine Vision der blinden Zisterzienserin Luitgard: Christus erscheint ihr am Kreuz und beugt sich zu ihr.

Gerade wenn du vor der Figur stehst, lohnt es sich, etwas länger hinzuschauen. Die Szene ist wesentlich bewegter und emotionaler gestaltet als viele der anderen Statuen. Das Original befindet sich heute im Lapidarium des Nationalmuseums. Auf der Karlsbrücke steht eine Kopie.

Heiliger Franz Xaver – ein Selbstporträt versteckt in der Statue

Auch die Figur des Heiligen Franz Xaver hat ein interessantes Detail zu bieten. Die monumentale Skulptur wurde 1711 von Ferdinand Maximilian Brokoff geschaffen. Damals war der Bildhauer gerade einmal 23 Jahre alt.

Wenn du genau hinschaust, entdeckst du unter dem ausgestreckten Arm des Heiligen einen jungen Mann mit einem Kreuz. Dabei soll es sich um eine Darstellung des jungen Brokoff selbst handeln.

Das finde ich wesentlich spannender, als die Figur einfach als „Barockstatue von 1711“ abzuhaken. Das Original wurde nach Beschädigungen durch das Hochwasser von 1890 in das Lapidarium gebracht. Auf der Brücke steht heute eine Kopie.

Madonna, Dominikus und Thomas von Aquin – achte auf den Hund

Eine weitere Figurengruppe mit einem kleinen Detail, das man leicht übersieht, zeigt Madonna, den Heiligen Dominikus und Thomas von Aquin. Unterhalb der Madonna findest du einen Hund, der eine Fackel im Maul trägt. Dahinter steckt ein Wortspiel: „Domini canes“ lässt sich sinngemäß als „Hunde des Herrn“ verstehen – eine Anspielung auf die Dominikaner.

Gerade solche Details machen einen Spaziergang über die Karlsbrücke interessanter. Wenn du weißt, worauf du achten musst, entdeckst du plötzlich Dinge, an denen du beim ersten Besuch einfach vorbeigelaufen wärst.

Der Heilige Christophorus

Der Heilige Christophorus ist ebenfalls leicht zu erkennen: Er trägt das Jesuskind auf seinen Schultern. Die Skulptur wurde 1857 von Emanuel Max geschaffen. Der Name Christophorus bedeutet sinngemäß „Christusträger“. Die Darstellung nimmt die bekannte Legende auf, nach der Christophorus Menschen durch einen Fluss trug und dabei schließlich Christus selbst auf seinen Schultern trug.

Christophorus gilt unter anderem als Schutzpatron der Reisenden und wird mit Wasser und Seefahrt verbunden. Für eine Stadtbrücke wie die Karlsbrücke passt diese Darstellung natürlich besonders gut.

Sind alle Statuen auf der Karlsbrücke Originale?

Nein. Und das ist wichtig, wenn du die Statuen heute anschaust. Viele der ursprünglichen Skulpturen wurden im Laufe der Jahrhunderte durch Hochwasser, Witterung oder andere Schäden beeinträchtigt. Einige Originale wurden deshalb von der Karlsbrücke entfernt und durch Kopien ersetzt. Die Originale werden unter geschützten Bedingungen aufbewahrt, unter anderem im Lapidarium des Nationalmuseums oder im Saal Gorlice auf dem Vyšehrad.

Du stehst also nicht automatisch vor dem Original, wenn du heute eine historische Statue auf der Karlsbrücke fotografierst. Bei einigen Figuren ist das Original allerdings weiterhin auf der Brücke zu sehen. Dazu gehört beispielsweise Johannes von Nepomuk.

Welche Statue ist die älteste auf der Karlsbrücke?

Die älteste noch an ihrem ursprünglichen Platz stehende Statue ist Johannes von Nepomuk aus dem Jahr 1683. Damit ist sie deutlich älter als die meisten anderen Figuren, die vor allem zwischen 1706 und 1714 aufgestellt wurden.

Interessant ist auch das andere Ende der zeitlichen Entwicklung: Die Statuengruppe Kyrill und Methodius wurde erst im 20. Jahrhundert geschaffen. Sie wurde von Karel Dvořák entworfen und schließlich 1938 auf der Brücke aufgestellt.

Die „31. Statue“ der Karlsbrücke: Bruncvík

Und jetzt kommt die Figur, die bei der Frage „Wie viele Statuen hat die Karlsbrücke?“ gerne für Verwirrung sorgt. Bruncvík steht nicht in der Reihe der 30 Statuen auf der Balustrade. Er befindet sich etwas außerhalb auf einem Brückenpfeiler auf der Kampa-Seite. Trotzdem wird er häufig als 31. Statue der Karlsbrücke bezeichnet. Der Ritter hält ein goldenes Schwert in der Hand und neben seinen Füßen liegt ein Löwe.

Damit sind wir mitten in einer alten Prager Legende. Bruncvík soll auf Reisen gegangen sein, um seinem Wappen einen Löwen hinzufügen zu können. Dabei rettete er einen Löwen vor einem neunköpfigen Drachen. Der Löwe blieb anschließend an seiner Seite.

Noch spannender wird es beim Schwert: Der Legende nach besaß Bruncvík ein magisches Schwert, das seine Feinde auf Wunsch selbst enthaupten konnte. Nach seiner Rückkehr soll er es auf der Karlsbrücke versteckt haben. Es werde eines Tages von Heiligem Wenzel wieder hervorgeholt, wenn Böhmen in großer Gefahr ist.

Das ist natürlich eine Legende – aber eine ziemlich schöne Geschichte, wenn du bei deinem Spaziergang plötzlich vor dem Ritter mit dem Löwen stehst.
→ [Karlsbrücke Legenden: Die spannendsten Geschichten und Mythen]

Der „Bärtige Mann“ ist keine der 30 Brückenstatuen

Noch eine kleine Besonderheit solltest du kennen. Auf der Altstadtseite befindet sich in der Ufermauer der sogenannte Bärtige Mann (Bradáč). Dabei handelt es sich um eine sehr alte öffentliche Skulptur, die ursprünglich zur Judithbrücke gehörte.

Der Bärtige Mann diente einst als Hochwassermarke. Anhand seines Bartes, seiner Nase und seiner Ohren konnte man erkennen, wie hoch das Wasser der Moldau gestiegen war. Er gehört deshalb nicht zu den 30 Statuen der Karlsbrücke. Wenn du ihn aber in deiner Nähe entdeckst, lohnt sich ein kurzer Blick.

Welche Statuen solltest du dir unbedingt anschauen?

Wenn du nicht alle 30 Figuren im Detail studieren möchtest, würde ich bei deinem Spaziergang besonders auf diese achten:

  • Johannes von Nepomuk – wegen der Geschichte und des Glücksbrauchs.
  • Der Traum der Heiligen Luitgard – wegen der außergewöhnlichen Darstellung und der Bedeutung für die barocke Bildhauerkunst.
  • Heiliger Franz Xaver – wegen des kleinen Details, das als Selbstporträt Brokoffs gedeutet wird.
  • Madonna, Dominikus und Thomas von Aquin – wegen des kleinen Hundes mit der Fackel.
  • Heiliger Christophorus – wegen der Geschichte rund um den Christusträger.
  • Bruncvík – weil er etwas abseits steht und bei der Zählung der Statuen für Verwirrung sorgt.

Wenn du mit offenen Augen über die Karlsbrücke gehst, brauchst du dafür übrigens keinen Kunstführer in der Hand. Ein paar dieser Geschichten reichen schon aus, damit du die Figuren plötzlich ganz anders wahrnimmst.

Karlsbrücke Statuen: Mein Tipp für deinen Besuch

Wenn du über die Karlsbrücke gehst, würde ich nicht versuchen, alle 30 Statuen abzuhaken. Das wird schnell zu einer ziemlich trockenen Angelegenheit.

Schau dir lieber einige Figuren bewusst an und achte auf die kleinen Geschichten dahinter. Gerade Nepomuk, Luitgard, Franz Xaver und Bruncvík bieten dir interessante Details.

Und wenn du etwas Zeit hast, geh die Brücke ruhig zweimal. Einmal von der Altstadt zur Kleinseite und später noch einmal zurück. Durch die andere Perspektive wirken viele Figuren plötzlich ganz anders.

Besonders schön finde ich die Karlsbrücke übrigens am frühen Morgen oder am Abend. Dann verändert sich auch das Licht auf den Skulpturen deutlich.

Wenn du wissen möchtest, wann du die Karlsbrücke möglichst ruhig erleben kannst, findest du hier meine Tipps:
→ Karlsbrücke Öffnungszeiten & beste Besuchszeit